Das schÖnste Geschenk, ein kleines MÄrchen zum TrÄumen und Nachdenken ...

In einem fernen Land, ganz weit von hier, da arbeitete einmal ein recht glückliches Team in einer wunderschönen Kita. Jeden Morgen freute es sich auf einen spannenden Tag mit den Kindern. Weder die kleinen noch die großen Leute wussten, was der neue Tag an aufregenden Überraschungen für sie bereit hielt. In dieser Kita passierten die ungewöhnlichsten Dinge.

Das fing schon damit an, dass die Kinder jeden Morgen von ihren gut gelaunten Erzieherinnen ein ganz besonderes Geschenk überreicht bekamen. Eine Gabe von hohem Wert und großer Kostbarkeit.

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Ein jedes Kind bekam alle Zeit der Welt geschenkt, um genau das zu tun und zu erforschen, was ihm Freude bereitete. In der gesamten Kita gab es keine Verplanung und keinerlei Termine. Ein jeder konnte sich und seine Welt drinnen wie draußen nach Herzenslust entdecken und eine Menge dabei für das Leben lernen.

Die vielen Räume waren so gestaltet, dass den Kindern schon beim Betreten das Herz aufging und eine unbändige Spiel- und Lernfreude spürbar wurde. Was für spannende Dinge es aber auch zu entdecken gab. Höhlen, Buden und Nischen weckten die Neugierde, Kletterwände luden zur Bewegung, zum Hochsteigen und Hangeln ein. Es gab ein kleines Labor zum Experimentieren und Forschen, Staffeleien zum Malen, Teppiche mit allerlei aufregenden Sachen darauf zum Bauen und Konstruieren.

Eine Nische mit den interessantesten Büchern der Welt, mit einem beleuchteten Globus und kleinen Leselampen versteckte sich am Ende eines verwinkelten Flures. Hier konnten die Kinder jederzeit ihren Fragen nachgehen und rauskriegen, wie viele Augen eine Spinne hat, was ein Regenwurm im Winter macht und was Kinder halt sonst noch so alles wissen wollen.

Herrlich! Dafür hatten sie alle Zeit der Welt. Sie konnten in den Büchern abtauchen in ferne Länder, in spannende Unterwasserwelten und in den tiefsten Urwäldern mit all den wilden Tieren spazieren gehen.

In dieser Kita gab es einen märchenhaften Raum, der mal in rotes, grünes oder blaues Licht getaucht war, dort konnten die Kinder sich auf weichen Matten in dicke Kissen kuscheln und einer zarten Musik lauschen. Wenn sie Lust darauf verspürten, bekamen sie von ihren Erzieherinnen jederzeit Geschichten erzählt, während sie zufrieden und gemütlich im dicken Samtsofa beisammen saßen.

Besonders glücklich aber waren die Kinder in dieser Kita über die herzlichen Erzieherinnen, die tagtäglich in der Nähe waren und ihnen Achtung und Geborgenheit schenkten. Die allesamt immer dann Zeit für sie hatten, wenn die Kinder sie brauchten. Erzieherinnen mit strahlenden Augen, die gerne mit den Kindern spielten und sangen, kletterten, redeten und bastelten. Die ebenso neugierig waren wie die Kinder und gemeinsam mit ihnen spannenden Fragen nachgingen. In diesem Abenteuerland wurden die kleinen und großen Leute gemeinsam zu begeisterten Forschern und Entdeckern.

Diese märchenhafte Kita stand inmitten eines verwunschenen Gartens. Hier gab es jede Menge Kletterbäume, Wasserstellen, dichtes Buschwerk, Schlingpflanzen und üppige Blumenbeete. Kleine Mauern und umherliegende Baumstämme luden zum Balancieren ein. Besonders beliebt bei den kleinen und großen Menschen war das selbstgebaute Baumhaus. Von hoch oben konnte man die ganze Welt sehen und bunte Libellen und Schmetterlinge über ein kleines von den Kindern und Erzieherinnen angelegtes Biotop fliegen sehen.

Auch das knorrige Hexenhäuschen mit den grünen Fensterläden und dem schiefen Dach konnte man von hoch oben mit einem Fernglas entdecken. Es stand inmitten dichter Büsche und einer kleinen Brennnesselwiese. Hier konnten die Kinder ganz unter sich sein und in die phantasievollsten Rollen schlüpfen.

Dieser verwunschene Garten mit all den Tieren, Obstbäumen, Hecken, Blumen, Beerensträuchern, duftenden Kräutern und der Feuerstelle bereitete den Kindern pure Lebensfreude. Hier fühlten sie sich frei und glücklich. Hier konnten sie unbedarft Kind sein, sich beim Klettern, Springen, Raufen und Balancieren ausprobieren, aber auch in aller Stille dem Zwitschern der Vögel lauschen.

Einige Kinder spielten tagelang nur dort in diesem kleinen Gartenparadies. Manche vergaßen die Zeit beim Beobachteten der kleinen Krabbeltiere, die unter den dicken Steinen wohnten. Andere arbeiteten emsig in ihrem Kräuter- oder Blumenbeet, schoben schwere Karren durch den Sand, sammelten Steine oder legten aus gesammelten Blättern ein kleines Herbarium an. Ein jeder so wie er mochte.

Es machte auch nichts, wenn sich die Kinder beim Spielen kleine Schrammen holten oder sich an Brombeerbüschen kratzten. So ist das Leben! In dieser Kita gab es für alle Kinder ein Recht auf Beulen, Schrammen und Kratzer. Wie sonst sollen Kinder ihre ungezügelte Abenteuerlust ausleben? Wie sonst sollen sie das Leben kennen lernen?

Ebenso gab es hier für alle das Recht auf Enttäuschungen, auf Wut und Ärger, auf Freude, Leidenschaft und Übermut..... Die gesamte individuelle Gefühlspalette durfte nach Herzenslust ausgelebt werden, jedoch ohne die Gefühle eines anderen zu verletzen. Darauf achteten einfühlsame Erzieherinnen, sie standen allen Kindern zur Seite, spendeten liebevoll Trost, sprachen Mut zu und vermittelten ihnen ein Gefühl der Sicherheit.

In dieser Kita, weit von hier in einem fernen Land entwickelten sich die Kinder zu selbstbewussten, klugen, anstrengungsbereiten, sozialen, verantwortungsbewussten, eigensinnigen Persönlichkeiten - obwohl sie nicht verplant und fremdbestimmt wurden und ihnen alle Zeit der Welt geschenkt wurde......

Oder vielleicht gerade deshalb? Wer weiß?

Mit gut gelaunten Grüßen!
Mariele Diekhof

Interesse geweckt? In meiner neuen Broschüre
"Leiten mit Leichtigkeit und Professionalität" Band II
gehen die Phantasie-Spinnereien weiter.....

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